Rede zum Aschura-Tag in der Berner christkatholischen am 8.09.2020

Geschätzte Damen und Herren,

Wie Herr Pfr. Schuler in seiner Predigt erläutert hat, stellt der heutige Gottesdienst einen Aufbruch dar. Aus diesem Grund ist es für mich eine unbeschreiblich grosse Ehre, vor Ihnen diese Rede halten zu dürfen. Für diese Gelegenheit möchte ich den Funktionären des christkatholischen Kirchgemeinde und des Vereins Mosaiks mich herzlich bedanken.

Im Internet fand ich gestern ein Dokument mit dem Titel «typisch christkatholisch». Um die Einzelheiten der christkatholischen Kirche näher kennenzulernen, habe ich mich damit auseinandergesetzt. Unter der Überschrift «die Ökumene» fand ich die folgende Aussage:

«Als Brückenkirche sind wir intensiv der Ökumene verpflichtet.»

Auch im historischen Lexikon der Schweiz wird die christkatholische Kirche als eine Brücke im kath.-protestantischen Kontext beschrieben. Mit der heutigen Veranstaltung wird uns allen deutlich, dass sich die christkatholische Kirche ihre Aufgabe als Brückenbauer ernst nimmt.

Die Bezeichnung Brückenkirche hat mich einerseits in Begeisterung versetzt und andererseits mich aus dem Konzept gebracht. Denn mir wurde bewusst, dass ich vor den Mitgliedern der Brückenkirche reden werde, wovor ich eine Hochachtung habe. Denn Brückenbauer sind Friedensstifter, Mediatoren und Vermittler. Aufgaben, die für ein für friedliches Zusammenleben unentbehrlich sind.

Auch wir verstehen uns als eine Gemeinschaft, die versucht zwischen diversen Gruppen Brücken zu bauen. In diesem Rahmen haben wir im letzten April eine Ausstellung über Karl Barth in unserem Kulturverein gezeigt. Am 26. September, also einen Tag nach dem Bruderklaustag, werden wir uns zudem mit Bruder Klaus auseinandersetzen.

Nun möchte ich einige Worte zum heutigen Feiertag verlieren. Wir feiern heute den Aschura-Tag. Nach der islamischen Überlieferung landetete die Arche Noah an diesem Tag auf dem Berg. Dem Volk Mose gelingt an diesem Tag die Flucht vor dem Pharao. Und der Prophet Hiob genest auch an diesem Tag.

Wie Herr Pfr. Schuler in seiner Predigt feststellt, kommt an diesem Tag ins Leben der Propheten Noah, Mose und Hiob Licht. Sowohl die Bibel als der Koran beschreiben unseren Schöpfer als Licht. Johannesevangelium besagt, dass Gott Licht ist und im Koran steht: «Gott ist das Licht der Himmel und der Erde» (Nur: 24:35).

«Es steckt viel Bibel im Koran», sagt Herr Pfr. Schuler. Das stimmt. Viele biblische Propheten kommen im Koran namentlich vor. Beispielsweise wird der Prophet Mose 136 zitiert.

Ashura ist der 10. Tag des Monats Muharrem. Muharrem ist der Name des ersten Monats des islamischen Mondkalenders. Wortwörtlich übersetzt bedeutet Ashura, welches ein semitischer Begriff ist, der zehnte Tag.

Der Prophet Mohammed empfiehlt an diesem Tag einerseits zu fasten und andererseits gute verwandtschaftliche Beziehungen zu pflegen.

Während des Ashura-Tages ist es Brauch, die berühmte Ashura-Speise in grossen Mengen zu kochen und sowohl Gästen zu servieren als auch unter Verwandten und Nachbarn zu verteilen. Das Interessante an dieser Speise ist, dass viele verschiedene Zutaten, wie Bohnen, Sultaninen, Walnüsse, Feigen, Weizen, Orangen, Granatapfelkerne, Kichererbsen, Datteln und Pfirsiche darin vermengt werden. Das Besondere daran ist der Eigengeschmack, wobei man trotzdem die einzelnen Zutaten herausschmecken kann. Wenn wir von einer Ashura-Gesellschaft sprechen, meinen wir ein harmonisches Zusammenleben.

Wie die christkatholische Kirche hat die Ashura zudem eine Brückenfunktion. Denn die armenischen Christen servieren zu Weihnachten eine ähnliche Speise namens Anuschabur. Bekanntlich wird in der armenisch-orthodoxen Kirche der Geburtstag und die Taufe Christi gemeinsam am 6. Januar, also am Drei-Königs-Tag, gefeiert. Auch armenische Christen glauben, dass diese Speise von den Überlebenden der Sintflut zum Festmahl gegessen wurde. Somit eignet sich die Ashura bzw. Anuschabur-Speise für ein Dialog-Essen bestens.

Darüber hinaus ist der Ashura-Tag für die Aleviten sehr zentral: Nach 12-tägigem Muharrem-Fasten wird diese Süssspeise gekocht und als Symbol der Dankbarkeit unter Bekannten, Verwandten und Nachbarn verteilt und gemeinsam gegessen. Aleviten bringen mit Ashure ihren Dank zum Ausdruck, dass Zeynel Abi­din, der Sohn von Imam Hüseyin, das Massaker von Kerbala überlebte.

Bevor ich meine Rede zu Ende bringe, möchte ich einige Koranversen zitieren, die uns an die Errettung am Ashura-Tag erinnern:

Nachdem die Arche Noah auf dem Berg landet, spricht Gott zu Noah: «O Noah, steige hinunter in Frieden von Uns und mit Segnungen

über dich und über Gemeinschaften von denen, die mit dir sind.» (Hud 11:48)

Kurz vor der Errettung des Volkes Israel kommt es zu einem Gespräch zwischen Moses und seinem Volk, was in der zehnten Sura verankert ist: Und Musa sagte: „O mein Volk, wenn ihr wirklich an Gott glaubt, dann verlasst euch auf Ihn, wenn ihr (Ihm) Ergebene seid.“ Sie sagten: „Auf Gott verlassen wir uns. Unser Herr, mache uns nicht zu einer Versuchung für das ungerechte Volk und errette uns durch Deine Barmherzigkeit von dem ungerechten Volk!“ So liess Gott die Kinder Israels das Meer durchschreiten. (10:84-90

Als die Krankheit des Propheten Hiob unerträglich wurde und seine alltäglichen Gebete ihn beeinträchtigten, rief er zu seinem Herrn: „Mir ist gewiss Unheil widerfahren, doch Du bist der Barmherzigste der Barmherzigen.“ Da erhörte Gott ihn und nahm das Unheil, das auf ihm war, von ihm aus Barmherzigkeit hinweg. (Sura 21 Al-Anbiya)

Ich bedanke mich recht herzlich für Ihre Aufmerksamkeit.

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